Tschechien


Das beginnt schon früh, lange vor zum Beispiel. Bei der Rangliste der Pressefreiheit , welche von Reporter ohne Grenzen herausgegeben wird, belegte Tschechien Platz 23 von Ländern.

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Der Beitritt der Karpatoukraine fiel sie an die Sowjetunion erfolgte im Jahre und der Anschluss Teschens. Von bis bestand die Erste Tschechoslowakische Republik. Die deutschen Sozialdemokraten waren von bis die stärkste deutsche Fraktion im Prager Abgeordnetenhaus und wurden ab mit ihrem Vorsitzenden Ludwig Czech , der verschiedene Ministerposten bekleidete, auch Regierungspartei.

Mit deutscher Unterstützung forderte die SdP immer weitergehende Autonomie und Abtrennung des deutschsprachigen Landesteils von der Tschechoslowakei und verschärfte mit dem Karlsbader Programm vom April die Sudetenkrise. Ohne die Beteiligung der tschechoslowakischen Regierung unterzeichneten Hitler, Mussolini , Chamberlain und Daladier am September das Münchner Abkommen , nach dem die Tschechoslowakei das Sudetenland an Deutschland abtreten musste.

Etwa ein Drittel des Staatsgebietes fiel damit an das Deutsche Reich. Oktober entstand darauf die föderative Zweite Republik. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in die Tschechoslowakei am März errichteten die Nationalsozialisten das Protektorat Böhmen und Mähren. Der slowakische Staat war ein Satellitenstaat des Deutschen Reiches.

September folgte auf den dauerhaft beurlaubten Statthalter Neurath als neuer Reichsprotektor Reinhard Heydrich. Mai verübten tschechoslowakische Widerstandskämpfer auf Heydrich ein tödliches Attentat. US-amerikanische, sowjetische und tschechoslowakische Truppen befreiten das Land. Mai begann der Prager Aufstand gegen die deutsche Besatzungsmacht, am 8.

Mai war der Weltkrieg zu Ende. Mai marschierten sowjetische Truppen in Prag ein. Dieser Racheakt wurde juristisch nicht aufgearbeitet, lange Zeit als Tabuthema behandelt und erst nach der Wende öffentlich diskutiert. Februar fand die vollständige Machtergreifung durch die Kommunisten statt. Es kam zur Verfassungsänderung und Umgestaltung des Landes nach sowjetischem Muster.

Rufe nach Reformen vermehrten sich und kulminierten auf dem vierten tschechischen Schriftstellerkongress im Juni in direkter Kritik an der politischen Führung. Anfang März folgte die Aufhebung der Zensur. August begann die militärische Intervention gegen den Prager Frühling: In der Folge emigrierten viele Tschechen. Januar entstand mit dem Inkrafttreten des Verfassungsgesetzes über die tschechoslowakische Föderation die Tschechische Sozialistische Republik als eine der beiden Teilrepubliken der Tschechoslowakei.

Die Föderalversammlung wählte am Das neu gewählte Parlament bestätigte am 5. Dezember folgte die Unterzeichnung des EG -Assoziierungsabkommens.

Durch eine Coupon-Privatisierung wurden 8 Mio. Tschechen Anteilseigner von privatisierten Firmen. Juli trat Präsident Havel von seinem Amt zurück.

Die Charta der Grundrechte und -freiheiten, die nach dem Umbruch im Januar von der tschechoslowakischen Bundesversammlung beschlossen worden war, wurde unverändert von Tschechien übernommen. Januar wurde die Tschechoslowakei einvernehmlich aufgelöst und die Tschechische Republik sowie die Slowakische Republik als unabhängige Staaten ausgerufen.

Juni trat Tschechien dem Europarat bei. Mai trat die Tschechische Republik der Europäischen Union bei siehe: Dezember entfallen aufgrund des Schengener Abkommens alle Grenzkontrollen zu den vier Nachbarländern.

Tschechien übernahm die EU-Ratspräsidentschaft im Jahr Nach den Wahlen im Dezember gelang keine Regierungsbildung mit einer Parlamentsmehrheit. Zeman ernannte Babis von der ANO am 6. Tschechien ist eine parlamentarische Republik. Das Staatsoberhaupt ist der Präsident. Der Regierungschef besitzt aber erweiterte Rechte gegenüber dem Staatsoberhaupt. Legislatives Organ ist das Parlament.

Das Zweikammersystem besteht aus dem Abgeordnetenhaus und dem Senat. Der Präsident ist das Staatsoberhaupt, das bis das Parlament wählte. Der Präsident ernennt oder entlässt den Ministerpräsidenten und weitere Regierungsmitglieder. In bestimmten Krisensituationen kann er das Abgeordnetenhaus auflösen. Im Legislativverfahren verfügt der Präsident über ein suspensives Veto und kann so einen Gesetzesentwurf an das Parlament zurückleiten.

Der Präsident kann ebenfalls Strafen erlassen oder mildern, des Weiteren anordnen, ein Strafverfahren einzustellen beziehungsweise nicht einzuleiten. Zusammen mit dem Senat ernennt er die Verfassungsrichter. Der Präsident kann nicht strafrechtlich verfolgt werden und er trägt von Amts wegen keine Verantwortung. Das Parlament besteht aus zwei Kammern. Das Abgeordnetenhaus wird nach einem Verhältniswahlverfahren gewählt.

Die politischen Parteien stellen in einzelnen Wahlkreisen die mit den Gebieten der 14 Regionen übereinstimmen Listen mit Kandidaten auf. Das Abgeordnetenhaus bilden Abgeordnete. Die Legislaturperiode beträgt 4 Jahre. Der Senat besteht aus 81 Senatoren und wird nach einem Mehrheitswahlverfahren gewählt.

Die Legislaturperiode eines Senators beträgt 6 Jahre. Die Wahlen erfolgen im Abstand von zwei Jahren, wobei jeweils in einem Drittel der 81 Wahlkreise gewählt wird. Falls kein Kandidat im ersten Wahlgang die nötige Stimmenzahl erhält, findet ein zweiter Wahlgang statt, an dem die zwei erfolgreichsten Kandidaten des ersten Wahlgangs teilnehmen.

Im zweiten Wahlgang genügt eine relative Mehrheit. Die Regierung ist das höchste Organ der Exekutive und besteht aus dem Ministerpräsidenten und den Ministern.

Der Ministerpräsident wird vom Präsidenten der Republik ernannt. Nach seinem Vorschlag ernennt der Präsident daraufhin auch die weiteren Regierungsmitglieder. Die Regierung muss sich danach einer Vertrauensabstimmung im Parlament unterziehen. In der Hierarchie folgen der Regierung und deren zentralen Behörden die Selbstverwaltungsgebietseinheiten.

Höhere selbstverwaltende Gebietseinheiten sind die 14 Regionen kraj , elementare selbstverwaltende Gebietseinheiten sind die Gemeinden.

Die Judikative besteht aus dem Verfassungsgericht und einem vierstufigen System allgemeiner Gerichte. Im Demokratieindex belegt Tschechien Platz 34 von Ländern. Platz, mit 55 von maximal Punkten. Tschechisch als Amtssprache ergibt sich erst aus einzelnen Gesetzen für konkrete Bereiche.

Ausgehend aus dem Art. Die 14 höheren selbstverwaltenden Gebietseinheiten wurden durch das Verfassungsgesetz zum 1. Oberster Befehlshaber ist der Staatspräsident. Tschechien verfügt aktuell etwa über Das Land hat derzeit Kampfpanzer.

Die Luftstreitkräfte verfügen über 44 Kampfflugzeuge. Tschechien gab knapp 1,1 Prozent seiner Wirtschaftsleistung oder 2,2 Milliarden Dollar für seine Streitkräfte aus. Dies bedeutete Platz 16 hinter Malta und vor Zypern. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug im selben Jahr Das Land gehört damit zu den europäischen Ländern mit den höchsten Reserven.

Der Heller wird jedoch seit der Abschaffung der Heller-Münze zum 1. September nicht mehr im Bargeldzahlungsverkehr verwendet. Die Wirtschaft der Tschechoslowakei gehörte traditionell zu den am meisten entwickelten in Europa. Sie erreichte insbesondere in der Zeit von bis einen hohen Stand.

Die ersten Nachkriegsprodukte waren Lokomotiven. Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten gehörte die Tschechoslowakei zwar zu den meistentwickelten Ländern des kommunistischen Ostblocks , infolge der Übernahme der Zentralverwaltungswirtschaft als die herrschende Wirtschaftsform und infolge der aufgezwungenen Ausrichtung auf die Bedürfnisse des RGW konnte sie sich mindestens seit Mitte der er nicht so stark entwickeln, um an der Weltspitze zu bleiben. Nach der Samtenen Revolution Ende wurde die Wirtschaft des Landes privatisiert und erfreute sich, nach einer kurzen anfänglichen Rezession, erneut einer schnellen positiven Entwicklung.

Das Gros des Bruttoinlandsproduktes wird im Dienstleistungssektor erzeugt. Euro einen neuen Rekordwert erreicht. Der bilaterale Handel mit Deutschland hatte ein Volumen von rund 81,6 Mrd. Euro, auch dies ein neuer Höchststand. Tschechien liegt noch vor Russland an Stelle der deutschen Handelspartner. Tschechien ist für seine Exportwirtschaft noch sehr stark auf ausländische Unternehmen angewiesen die dort investieren und produzieren lassen.

Hauptlieferländer in Prozent: Hauptabnehmerländer in Prozent: In Böhmen hat die Glasindustrie Tradition. Viele der Glashütten können besichtigt werden, allerdings ist die Glasindustrie heute nur noch von geringer wirtschaftlicher Bedeutung. Die Tschechische Republik führt jährlich rund 20 Prozent ihrer Stromproduktion aus. Die Stromproduktion aus Kohle solle schrittweise reduziert, und Neubaupläne für Atomkraftwerke verschoben oder verworfen werden.

Die tschechischen Beckenlandschaften sind sehr fruchtbar. Besonders wichtig ist die Hopfenproduktion, vor allem im Saazer Becken, als Grundlage der tschechischen Braukultur.

Böhmen ist ein traditionelles Bierbrauerland, in Südmähren wird hingegen Wein angebaut. Hauptgrund dafür ist das Genossenschaftswesen und die erzwungene Kollektivierung in den er Jahren. Die Tourismuseinnahmen beliefen sich im selben Jahr auf 6,3 Mrd. Wichtigstes Touristenziel in Tschechien ist die Stadt Prag. Der Staatshaushalt umfasste Ausgaben von umgerechnet 74,7 Mrd.

US-Dollar , dem standen Einnahmen von umgerechnet 73,7 Mrd. Das Land verfügt über eine gute Verkehrsanbindung an seine Nachbarstaaten. Im Logistics Performance Index , der von der Weltbank erstellt wird und die Qualität der Infrastruktur misst, belegte Tschechien den Platz unter Ländern.

Der Bau des tschechischen Autobahnnetzes reicht bis zum Jahr zurück. Während bis weitgehend nur die Strecken Prag—Brünn und Brünn—Pressburg fertiggestellt wurden, wurde das Netz in den folgenden Jahren stetig ausgebaut. Beide Strecken wurden mit Ausnahme eines kleinen Teilstückes auf der D8 fertiggestellt. Diese und andere Bauarbeiten werden jedoch durch zahlreiche Einwände erheblich verzögert. Unterhalb des Autobahnnetzes existiert ein über Autofahrer sind verpflichtet, eine Autobahnvignette zu kaufen, die von innen an die Windschutzscheibe geklebt werden muss.

Der Schienenverkehr in Tschechien hat eine jährige Tradition. Beim Stand von ist das Streckennetz mit 9. Bedingt durch die Lage in Mitteleuropa, ist die Tschechische Republik zu einem wichtigen Transitland geworden. Durch das Staatsgebiet führen verschiedene EuroCity -Korridore z.

Die meisten Strecken werden im Halbstunden-, Stunden- oder Zweistundentakt befahren. Seit verkehrt der Railjet von Prag nach Wien und Graz. Teilweise ist auch ein fünfter Korridor im Gespräch, der über die Bahnstrecke Praha—Turnov und von Turnov weiter nach Liberec führen soll.

Die meisten Hauptstädte der Regionen können über Sportflugplätze angeflogen werden. Insgesamt gibt es in Tschechien 91 zivile Flugplätze. In Tschechien ist der Wasserverkehr auf den Flüssen Elbe und Moldau und auf geschlossenen Wasserflächen Stauseen und Seen , die für die Schifffahrt geeignet sind, nur zum Teil erschlossen.

In kleineren Städten fahren nur Busse beziehungsweise O-Busse. Die Preise der Fahrkarten sind in den einzelnen Städten unterschiedlich; Senioren fahren überall kostenlos. Fahrkarten werden an Schaltern, Automaten und teilweise in den Fahrzeugen selbst angeboten. Beim Betreten der Verkehrsmittel müssen die Tickets in der Regel sofort entwertet werden.

Eine Anzahl europäischer Radwege durchquert Tschechien. Viele Radwege führen durch hügeliges Terrain, wie etwa die vielen Routen im Böhmerwald, die weiter in den Bayerischen Wald führen. Fahrradfahren ist in Tschechien weit verbreitet, in den letzten Jahren wurde daher intensiv an einem nationalen Radnetz gearbeitet. Eine landesweit einheitliche Ausschilderung mit gelben Radweg-Schildern und nummerierten Radwegen ist Fahrradtouristen sehr hilfreich. Bei der Rangliste der Pressefreiheit , welche von Reporter ohne Grenzen herausgegeben wird, belegte Tschechien Platz 23 von Ländern.

Das tschechische Postleitzahlensystem besteht in seiner heutigen Form seit Das Schulwesen ist in Tschechien dreistufig organisiert. Nach der fünften oder siebten Klasse kann jedoch nach einer Aufnahmeprüfung in ein acht- beziehungsweise sechsjähriges Gymnasium gewechselt werden.

Daneben gibt es das vierjährige Oberstufengymnasium. Das Gymnasium wird mit der Matura maturita abgeschlossen, die zum Hochschulstudium berechtigt. Die Hochschulbildung gliedert sich in die drei Stufen Bakkalaureat , Master - bzw. Die älteste und mit Hier sind architektonisch bedeutsame Bauten aus den verschiedenen Epochen der europäischen Kulturgeschichte vereint. Die Stadtplätze von Slavonice oder Prachatice sind von diesem Stil geprägt. Dem Historismus ist die Generation des Nationaltheaters zuzuordnen.

Diese spezifische Richtung entwickelte sich zu einer Art Nationalarchitektur und brachte die Sonderform des Rondokubismus hervor. Sie wurde in den er Jahren jedoch von der funktionalistischen Architektur abgelöst. Mit der Architektur der kommunistischen Zeit werden oft Plattenbauten assoziiert, sie ist umstritten.

Das bekannteste Bauwerk der Zeit nach ist das Tanzende Haus. Das älteste erhaltene romanische Fresko befindet sich in der Znaimer Katharinenrotunde. Jahrhunderts werden deshalb als böhmische Malerschule bezeichnet.

Peter Parler wirkte zu dieser Zeit als Bildhauer und Dombaumeister. Alfons Mucha ist ein weltbekannter Vertreter des Jugendstils, der hauptsächlich für seine charakteristische Plakatkunst , aber auch für das Monumentalwerk Das Slawische Epos mit Szenen aus der slawischen Geschichte berühmt ist.

Otto Gutfreund schuf kubistische Plastiken. Daraus entwickelte sich die alttschechische Sprache, die im Mittelalter neben Latein und Deutsch zur Literatursprache in Böhmen und Mähren aufstieg.

Die ersten Belege für alttschechische Literatur stammen aus dem Jan Hus führte die diakritischen Zeichen in der tschechischen Sprache ein. Die Kralitzer Bibelübersetzung aus dem Die tschechische Moderne greift die zahlreichen literarischen Strömungen auf, die um die Jahrhundertwende in Europa entstehen.

Die Entstehung der Tschechoslowakei belebte den Kulturbetrieb enorm. Seit ist die freie Literaturproduktion wieder möglich. Das älteste musikalische Dokument auf tschechischem Gebiet ist das geistliche Lied Hospodine, pomiluj ny Herr, erbarme dich , das in die Wende vom Jahrhundert ruft den heiligen Wenzel als Fürsprecher an und fungierte bis ins Die zwei weltbekannten tschechischen Komponisten lebten beide im Von internationaler Bedeutung ist das jährliche klassische Musikfestival Prager Frühling.

Der Filmsektor ist in Tschechien stark entwickelt. Alljährlich findet das Internationale Filmfestival Karlovy Vary statt. Jetzt geht es ans gute Geld, Zibol wird nicht nur seiner Ämter entsetzt, sondern mit 12' Gulden gebüsst, eine enorme Summe. Er ist ein gebrochener Mann.

Er lebt noch, als der Markgraf als Vermittler den Streit beilegt, sogar ein Bündnis zwischen den Baslern und Katharina zeichnet sich ab. Dann stirbt er Doch die Kartause ist gesichert. Die Zellen sind heute abgerissen, nur das Haus des Priors und die Kirche stehen noch, sie bilden zusammen den Komplex des Basler Waisenhauses. In unserem Selbstverständnis ist das Dreiland am Oberrhein dadurch charakterisiert, dass über die Grenzen der Nationalstaaten Frankreich, Deutschland, Schweiz hinweg allerhand nachbarschaftliche Gemeinsamkeiten, aber auch die Landschaft — der Oberrhein mit seinem Auslauf nach dem Sundgau und Jura — ein zusammenhängendes Gebiet erkennen lassen.

Es hat, mehr im Kleinen als im Grossen, eine gemeinsame Geschichte, einen ähnlichen Lebensstil, verwandte Architektur; es hat aber auch Gegensätze, mit denen schon frühere Generationen fertig werden mussten: Das Dreiland ist als ein Randgebiet abhängig von ungleich grösseren Mächten.

Es fühlt aber ebenso die Verlockung, unabhängig von diesen grösseren Mächten seine Dinge selber zu regeln — gelegentlich auf eine Weise, die diesen grösseren Mächten nicht recht gefällt.

Das Gefühl der relativen Kleinheit und zugleich der Andersartigkeit bricht immer wieder durch; es schafft sogar eine gewisse innere Übereinstimmung, die dazu führt, dass der Jurassier und der Elsässer, der Markgräfler und der Basler sich besser verstehen als Schweizer, Deutsche und Franzosen.

In diesem von den Baslern Regio getauften Gebiet, so klein es im Verhältnis zu Deutschland, Frankreich und der Schweiz ist, gibt es noch einmal Miniaturregionen, die — wie Fraktale auf einem Computer — das Bild der gegenseitigen Verzahnung im Kleinen reproduzieren. Wer von den heutigen Schweizern und Franzosen hat sich schon gefragt, warum der Pruntruter Zipfel mit der Ajoie so merkwürdig und ein wenig wie eine Blase in Richtung Frankreich ausgestülpt ist?

Warum folgt seine Grenze nicht dem Doubs, der, von Pontarlier kommend, nördlich von La Chaux-de-Fonds eine Zeitlang tatsächlich die heutige Landesgrenze bildet, dann aber wie ein Haarnadel in das schweizerische Gebiet hineinsticht, bei St.

Ursanne einen Bogen macht, um wieder Richtung Frankreich zu entschwinden? Diese auf der Hand liegende Frage führt sofort in die Geschichte, eine Geschichte so alt wie diejenige der unterdessen jährigen Eidgenossenschaft, und wenn man will noch einiges älter.

Die Luftlinie von der Krümmung des Doubs bei St. Ursanne bis nach Basel liegt unter 40 Kilometern. Von der Antike bis ins Mittelalter war der Warentransport zu Wasser der leistungsfähigste und bequemste.

Wollte man also Güter vom Doubs auf den Rhein, der hauptsächlichsten Verkehrsader Mitteleuropas, weiterspedieren, musste man diese Distanz auf dem Landweg überwinden. Nachgewiesen ist, dass solche Verbindungen schon zu Beginn unserer Zeitrechnung existierten. Die heute noch fühlbare Geschichte beginnt wenige Jahre vor dem Bund der ersten Urkantone und zwar genau im Jahr Er gab der Stadt Pruntrut, im Herrschaftsbereich des Basler Bischofs gelegen, verbriefte städtische Freiheitsrechte, die er eben auch als eine Art Dank und Kompliment an den Bischof deklarierte.

Er machte sich die Sache einfach: Damit waren die Steine gesetzt. Am südwestlichen Ende der Regio bildete sich eine Miniaturregio, die insofern spannend ist, als man sich hier in der alten Übergangszone vom deutsch-alemannischen in den französisch-burgundischen Raum befindet — das eigentliche Elsass war ja noch deutschsprachig. Zwei Mächte standen sich gegenüber, Mächte im regionalen Massstab wohlverstanden: Dank einer Frau wurde dieser Gegensatz auch im grösseren Rahmen spannend.

Sie heirateten, Eberhard starb früh, Henriette regierte das Land mit weiteren linksrheinischen Herrschaften im Elsass und musste es dann ihren Söhnen abtreten. So kam die Grafschaft Mömpelgard in württembergischen Besitz — und blieb es bis zur Französischen Revolution. Das hatte Folgen zum Beispiel während der Kirchenreformation. Ulrich von Württemberg sorgte dafür, dass die Grafschaft Mömpelgard lutheranisch wurde; der aus der Stadt vertriebene Fürstbischof von Basel setzte alle Kräfte ein, die Ajoie beim alten Glauben zu halten.

Zwischen und standen sich zwei Landesherren gegenüber, die in mehr als einer Beziehung vergleichbar sind: Dass die Grafschaft Mömpelgard in den französischen Religionskriegen zahlreichen Hugenotten, die calvinistisch und nicht lutheranisch gesinnt waren, Unterschlupf bot und von ihren kommerziellen Talenten profitierte, geht auf die Politik Friedrichs von Württemberg zurück, der über die Grafschaft enge Kontakte zu den französischen Königen Heinrich III.

In der Miniaturregio am Rand der Regio spiegelt sich noch einmal europäisches Schicksal, zu dem auch die gegenseitigen grausamen Verheerungen durch eine immer wieder angemietete Soldateska gehörten.

Das Fürstbistum Basel überlebte auch nicht, wurde der jurassische Teil zum Kanton Bern geschlagen, und es brauchte noch einmal mehr als Jahre, bis die Ajoie mit dem Hauptort Porrentruy in den neuen Kanton Jura überging. Der Name Armleder tönt irgendwie vertraut. Man schmeckt ihm auch sein Alter an. Sind die Armleder Elsässer, Süddeutsche oder Schweizer?

Und wieso tönt dieser Name so geschichtlich? Jetzt schlage ich bei Hellmut G. Und finde dort im ersten Band Nachrichten — keine schönen — über einen König Armleder. Sogar seinen richtigen Namen weiss Haasis: In der dortigen Kirche ist er begraben, noch erkennt man den beschädigten Grabstein, wie ihn Klaus Arnold beschrieb:. Es ist ein jugendliches, bartloses Antlitz über einem betont breiten Hals, auf dem die Klinge eines Schwertes aufliegt. Gehalten wird dieses von einer kleineren, auf der Umrahmung sitzenden Gestalt, deren Oberkörper und Kopf verloren sind.

Die Scheide zur Rechten des Mannes ist leer, um anzudeuten, dass es sein eigenes Schwert ist, das ihm den Tod bringt. Seine Hände sind nicht, wie man erwarten könnte, gefaltet; vielmehr übereinandergelegt mit erkennbaren Resten von Fesseln. Den Schutz der Unterarme bildet — noch niemand hat es als bemerkenswert überliefert — Armleder. Da ist der Ausdruck gefallen: Armleder, wie wir sie noch heute von sehr englisch anmutenden Sportjacken kennen. Aber hier wurden sie an Stelle von metallenen Armschienen verwendet, offenbar von Leuten, die das Geld nicht hatten, sich eine richtige Rüstung mit Armschienen aus Metall anzuschaffen, nämlich von Bauern.

Wie kommen die Bauern zum Ritter und umgekehrt? Da muss man schon in die Wirtschaftsgeschichte des Jahrhunderts steigen, wie Hellmut G. Haasis sie uns erklärt. Um sind wir in einer Zeit, da die Geldwirtschaft den alten Tausch von Gütern und Leistungen zu verdrängen beginnt.

Die Ritter auf dem Land geraten in Bedrängnis, weil sie von den Zinsgütern Naturalien und Renten nur in gleichbleibender Höhe beziehen, die sich ausbreitende Geldwirtschaft aber die Preise steigen lässt. Der Bauer war schon verschuldet, jetzt musste sich auch der Ritter verschulden. Aber dieser Schutz war dürftig, bald begannen Territorialherren und Grossgrundbesitzer ebenfalls gegen die Zinslasten aufzubegehren. Und der Kaiser, der seinerseits in Geldnöten steckte, liess sich den Judenschutz, für den er den sogenannten Judenpfennig als Kopfsteuer erhob, von Städten abkaufen, die auf ein funktionierendes Kreditwesen angewiesen waren.

Das ergab eine unheilvolle Konstellation für die Juden, die nach allen Seiten eben auch als Kreditbanken funktionierten. Zugleich drohte er an, den Umgang mit Juden in Zukunft durch Kirchenstrafen zu ahnden. Jetzt begannen wahrhaft grässliche Judenverfolgungen, die bald über das fränkische Gebiet hinausgriffen. Die ältesten, auf deutsch geschriebene Chronik aus Colmar vermerkt sie und sagt auch, dass die Juden in Niederfranken von einem erschlagen wurden, der sich König Armleder nannte, denn mit Armleder waren er und seine Gesellen bewaffnet.

Dem schon genannten Klaus Arnold gelang der Nachweis, dass es sich bei diesem selbsternannten König um den Ritter Arnold von Uissigheim handelte, dessen Grab er dann beschrieb. Die fatale Allianz zwischen verschuldeten Bauern und verarmten Mitgliedern des niederen Adels flammte auch wieder auf, griff in die Bistümer Strassburg und Basel hinüber.

Von Zabern bis Belfort, Delle und Pfirt wurde gemordet, am Januar zum Beispiel in Rufach. Auch sie nannten sich jetzt Armleder.

Schutz fanden die Juden nur in den Städten, weil die städtische Bürgerschaft auf das Finanzwesen der Geldverleiher angewiesen war und die städtischen Magistraten die Juden als Steuerzahler schätzten.

So kam es denn auch dazu, dass solche Bauernheere unter adliger Führung gewisse Städte recht eigentlich belagerten, am besten sind wir im Fall von Colmar dokumentiert. Eine historische Beurteilung der Armlederbewegung ist auch heute noch schwierig. Denn diese wirtschaftlich bedingte Bauernrevolte ist zu schrecklich mit Judenverfolgungen belastet, als dass man in ihr einen Freiheitskampf der Bauern sehen könnte, sozusagen einen Vorläufer der späteren Bauernkriege.

Die Städte ihrerseits kannten Judenverfolgungen, so etwa Basel im Jahr Als aber die Stadt vom Erdbeben heimgesucht wurde, gab es Leute, die dieses Unglück als Strafe für den Judenmord betrachteten. Umgekehrt erzählte man sich noch bis ins Jahrhundert, dass das Grab des ersten Königs Armleder wundertätig gewesen sei.

Ihr Mann fiel in Basel durch grobschlächtige Scherze und eigentliche Possen auf, verschwand bald in Richtung nach verschiedenen europäischen Kasernenhöfen. Sie aber blieb bis , also fast 30 Jahre, in der Stadt und führte so etwas wie einen literarischen Salon und private Hofstaat. Sie war befreundet mit dem damaligen Bürgermeister Peter Burckhardt — einer ihrer Briefe an dessen Gattin ist auf dem Staatsarchiv erhalten geblieben. Wer war dieses Fräulein von Bärenfels?

Vielleicht sollte man zuerst fragen, was es überhaupt mit dieser Familie von Bärenfels auf sich hatte. Da trifft man auf eine Namen, der in der Basler Geschichte — und in der Geschichte des Dreilandes — eine erhebliche Rolle spielte, und zwar während Jahrhunderten.

Die Stammtafel derer von Bärenfels beginnt mit einem Ritter Albert, nachgewiesen von , der sich noch Vogt von Branbach wohl Brombach? Dass ein Geschlecht in der männlichen Linie sechs Jahrhunderte lang in der gleichen Region nachweisbar ist und immer wieder politische Funktionen ausübte, ist alles andere als alltäglich, war das auch für frühere Zeiten nicht.

Man hat es hier mit einer im besten Sinn alten Basler Familie zu tun, freilich einer adligen, die schon die Neugierde des ersten Stadthistorikers Christian Wurstisen weckte. Die Bärenfels waren Ritter, das heisst Adlige, und wenn man die Ehepartner sowohl in der männlichen wie weiblichen Linie nachschaut, stellt man fest, dass sie sich durchaus standesgemäss zu verheiraten trachteten.

Sichtbar wird ein dichtes Netz von adligen Familien zwischen der baslerischen Bürgerschaft, dem Fürstbischof und den mächtigeren Herren wie den Markgrafen, Habsburgern oder Burgundern am Oberrhein.

Manchmal fragt man sich, warum der Basler Bischof oder eben auch die in Zünften organisierte Stadt nicht eine viel expansivere Territorialpolitik betrieben haben. Sie konnten es nicht, weil der Ring dieser Adelsfamilien rund um die Stadt familiär und territorial, aber auch militärisch eng und klug geknüpft war, und weil diese adligen Ritter bald dem Bischof, bald der Bürgerschaft, bald aber auch den grösseren Herren wie den österreichischen Erzherzögen zudienten.

Markus Lutz, der unermüdliche geschichtsforschende Pfarrer auf der Landschaft nach der Französischen Revolution, meint, dass die Familie Bärenfels sogar schon um in Basel ansässig war. Johans der Vogt von Brambach wird als Joh. Arnold oder Erni III.

Seine Söhne Johans IV. Gegen Ende des Jahrhunderts, mit Melchior I. Bei weiteren Nachkommen findet sich auch der Titel eines Herrn von Burgfelden.

Aesch, Arisdorf, Hegenheim, Burgfelden, Grenzach — da sieht man geradezu geografisch, wie der Ring beschaffen war, in dem eine solche Basler Adelsfamilie um die Stadt herum sass.

Sie residierte auch in der Stadt selber. Jahrhundert immer wieder auf. Das Schloss von Hegenheim war lange Jahre so etwas wie der Stammsitz des einen Familienzweiges; ein Hannibal von Bärenfels verkaufte der jüdischen Gemeinde von Hegenheim einen Acker auf dem heute noch der über Jahre alte jüdische Friedhof liegt. Wenn man sich fragt, wie in früheren Zeiten solche über Generationen wirkende Familien von den Zeitgenossen empfunden wurden, fehlen einem die Vergleichsmassstäbe.

Unsere heutigen Familienstrukturen sind sehr anders und kurzlebiger geworden; das neue Eherecht und das Erwerbsleben haben mit patriarchalischen Sippen aufgeräumt. Vielleicht muss man einfach den Blickpunkt etwas verlagern, dann findet man den grossen Firmen ähnliche, die Jahrzehnte und Jahrhunderte überdauernde Mächte.

Es tönt vielleicht merkwürdig, aber könnte doch zutreffen: Eine Familie von Bärenfels hat man vor Jahren vielleicht so empfunden, wie wir heute eine über Jahre alte Bank oder eine schon über Jahre alte Chemieunternehmung empfinden.

Man muss mit ihr rechnen, man kann ihr zudienen, und einiges vom privaten Wohlergehen hängt eben auch vom Schicksal einer solchen Unternehmung ab. Er starb kinderlos , das Uhrwerk der Basler Adelsgeschichte war abgelaufen. Schlettstadt, im nördlichen Grenzbereich des Dreilandes gelegen, macht den Eindruck einer Stadt, an der die sogenannt modernen Zeiten gnädig vorbeigeeilt sind.

Baulich und künstlerisch ist viel Schönes übriggeblieben, hier haben sich die Jahrhunderte oft glücklich verheiratet. Die ganze Stadtanlage, in der Struktur intakt, ist geradezu ein Prototyp der oberelsässischen Städte. Die Basler, Mülhauser und Freiburger können in Schlettstadt nachschauen, wie es bei ihnen auch einmal ausgesehen haben muss, was sie also alles verloren haben durch Kriegsunglück oder eigenen Unverstand.

Fides eine romanische Kirche mit später dazugebauten Türmen und St. Georg ein Werk der Gotik dominieren die Stadt; diese beiden Kirchen sind nur einen Steinwurf voneinander entfernt. Was haben sich diese Städte zwischen dem Jahrhundert doch alles geleistet — und St. Georg schaut sich im Innern an wie der Zwillingsbruder des Basler Münsters. Und jetzt tauchen wir in die Schulgeschichte. Zwischen den beiden grossen Zentren Strassburg und Basel, beide von Bischöfen und deren Dienstadel bewohnt, liegt dieses Schlettstadt, eine alte Reichsstadt.

Sie braucht Pfarrer und Kleriker nicht allein, um Messen zu lesen, sondern um eben auch die administrativen Geschäfte — heute würde man sagen: Also gibt es dort eine Lateinschule, vermutlich seit dem Ende des Das Latein lernt man nicht in der Bibel und kaum der Kirchenväter wegen; Latein ist die administrative Aktensprache, Latein ist zugleich, wie heute das Englische, die wissenschaftliche Weltsprache.

Wenn der Schlettstädter nach Polen oder Spanien, nach England oder Italien einen Brief schreiben musste, brauchte er Latein, weil er dann sicher war, dass der Empfänger ihn verstand, und er sich mit seiner Lateinkenntnis schon ausgewiesen hatte. Die Handwerker-, Bauern- und Bürgerkinder mussten, ohne jede Vorkenntnis, zuerst einmal das lateinische Lehrbuch, das sie noch gar nicht verstehen konnten, absatzweise auswendig lernen.

Wer es nicht schaffte, kriegte Prügel. Und dann erhielten sie grammatikalische Erklärungen wieder nicht anhand von lateinischen Originaltexten, sondern anhand von antiken bis spätmittelalterlichen Kommentaren.

Es wäre so, wie wenn wir heute Englisch mit englisch geschriebenen Shakespeare-Kommentaren aus dem Nach werden plötzlich — nicht nur im Elsass, nicht nur in Basel, sondern in ganz Europa — Schulreformen aktuell. Hier waltet eine Gesetzmässigkeit, die über die Mediengeschichte weit in die Kultur- und Geistesgeschichte weist: In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts nämlich beginnt sich der Buchdruck, von Strassburg und Mainz kommend, im Rheintal und gerade auch im Dreiland auszubreiten.

Wenn ich als Drucker die Technik der typografischen Vervielfältigung herausgefunden habe und mir jetzt überlege, wo ich einen Abnehmerkreis für Bücher finden könnte, liegt die Schule ganz nah — Schüler brauchen eben Schulbücher. Bis zur Erfindung des Buchdrucks musste der Lehrer das Lehrbuch diktieren; nach der Erfindung des Buchdrucks konnte er es verteilen.

Die Gutenberg-Bibel ist zwar das berühmteste Druckwerk der Weltgeschichte, aber nicht ihr erstes; vorausgegangen sind ziemlich sicher Schulbücher. In Schlettstadt kommt ein Glücksfall dazu. Junge Schlettstädter nämlich, die in Heidelberg studierten, empfahlen ihrem Magistrat als Rektor der Lateinschule einen aus Paderborn stammenden Kleriker namens Ludwig Dingenberg. Der wurde auch berufen. Sofort begannen die Schlettstädter Lateinschüler Kirchenväter und Klassiker zu lesen, Dingenberg dichtete auch selber auf lateinisch , so etwa ein Gedicht über den Untergang Karls des Kühnen von Burgund.

Der wahre Glücksfall für Schlettstadt aber bestand darin, dass nun über 80 Jahre hinweg ein verständiger, pädagogisch interessierter und wahrhaft gebildeter Rektor dem andern folgte — Crato Hofmann, Hieronymus Gebwiler, Oswald Bär, Johannes Sapidus —, und dass die Schüler ihrer Schule verbunden blieben, sich in gelehrten Gesellschaften noch in Strassburg und Basel fanden, auch als kaiserliche Beamte, Drucker, Historiker, Juristen und Kirchenreformatoren die persönlichen Kontakte behielten und sich einer gemeinsamen geistigen Disziplin verpflichtet fühlten.

Jakob Wimpfeling und Beatus Rhenanus sind die glänzendsten Namen. Dank dem ersten verbreitete sich die neue Pädagogik in gedruckter Form durch ganz Deutschland, so dass er als der Praeceptor Germaniae, der Unterweiser Deutschlands, schon zu Lebzeiten galt.

Der zweite, Rhenanus, war der wohl wichtigste Vermittler des auf das Latein gegründeten oberrheinischen Humanismus. Ohne ihn wäre Erasmus nicht nach Basel gekommen. Und so dichtete dieser damals berühmteste Autor der Welt selber das Lob von Schlettstadt: Und was ist geblieben?

Eine Ausstrahlung, ohne die die Rolle Strassburgs und Basels als Buchdruckerstädte, die geistigen Auseinandersetzungen im Reich des Kaisers Maximilian, die Zuwendung Basels zur Eidgenossenschaft und die Kirchenreformation am Oberrhein kaum verständlich wären. Zugleich — und das ist beinahe ein Wunder — eine fast vollständig erhaltene Schulbibliothek mit Jahre alten Schulheften und Akten, aufbewahrt in der Humanistenbibliothek von Schlettstadt, zusammen mit der so gut wie intakten Büchersammlung des Rhenanus.

Aus diesen Beständen lässt sich ablesen, was eine Schulreform bewirken kann, wenn sie auf ein eindeutiges Lehrziel ausgerichtet ist, eine geistige Disziplin über Generationen begründet, pädagogisch verständnisvoll vorgeht und aus ihren besten Schülern von heute die Lehrer von morgen zu machen versteht.

Eine natürliche Grenze ist eine solche, die die Natur in Form von Hindernissen gesetzt hat: Aber ein Fluss ist keine natürliche Grenze, sondern schafft sogar eine besonders intensive Nachbarschaftszone.

Er ist keine natürliche, aber eine politisch sehr praktikable Grenze. Statt eines Striches auf der Landkarte markiert ein lebendiges Gewässer die beiderseitigen Territorien.

Grossbasel und Kleinbasel sind durch den Rhein weniger getrennt als vielmehr zusammengehalten. In solchen Nachbarschaftszonen wechseln die Leute gern und oft die Seiten. Gerade Basel ist undenkbar ohne die Zuwanderer aus dem Elsass und aus Süddeutschland.

Zuwanderer sind häufig unternehmenslustig und einfallsreich. Und wenn sie sich an einem Ort niederlassen, bringen sie ihre Kenntnisse und Fähigkeiten mit.

Diese vererben sich weiter. Zuzüger, oft sogar Flüchtlinge und Asylsuchende, können schon in der ersten Generation wirtschaftlich blühende Gewerbe und Unternehmungen schaffen, die eine Generation später zur Zierde ihrer neuen Heimat geworden sind. Ohne süddeutsche und elsässische Zuzüger wäre Basel nie die in der Renaissance hochangesehene, mit Mainz und Venedig, Paris und Nürnberg konkurrierende Druckerstadt geworden.

Der damalige Drucker war in der Regel auch der Verleger, dazu meistens auch der Herausgeber, Lektor und Korrektor des durch ihn publizierten Werkes. Die Basler Druckgeschichte ist eine Zuzügergeschichte. Warum die Leute nach Basel kamen, ist nicht eindeutig zu beantworten. Aber es war eine Stadt, in der vor einer Generation ein Konzil abgehalten worden war.

Es besass eine Universität, zählte Papierfabrikanten unter seinen Betrieben, verfügte über Goldschmiede und Stempelschneider, die auch Buchstaben herstellen konnten. Es war eine von der bischöflichen Herrschaft schon weitgehend emanzipierte Bürgerstadt, unabhängig von fürstlichen Launen. Und es verfügte über Kapital, das nach Anlagen suchte. Das war für den Buchdruck eine wichtige Voraussetzung, weil man ja, bevor sich das Buch verkaufen liess, die Lettern und das Papier, die Druckwerkzeuge und die Druckerschwärze finanzieren musste.

Auch die Druckgesellen wollten im Lauf der Drucklegung bezahlt sein, die Erlöse kamen aber erst herein, nachdem das Buch fertig gedruckt und manchmal auch noch gebunden worden war. Ohne kapitalistische Vorfinanzierung war kein Buchdruck möglich. Die ersten Drucke mit beweglichen, gegossenen Lettern stammen von Gutenberg, vielleicht aus seiner Strassburger Zeit während der Armagnaken-Kriege am Oberrhein. Nachher wird Mainz zur Wiege der Buchdruckerkunst.

Aber Gutenberg überwirft sich mit dem neuen Stadtherrn und seinen eigenen Partnern, er zieht nach Eltville im Rheingau. Seine Gesellen aber verteilen sich in der Welt bis nach Italien und Frankreich. Einige kommen auch nach Basel und nehmen den Mund sogleich ziemlich voll:. Die Buchstaben, in denen dieses hochmütige lateinische Distichon von Gasparinus Barzizius gesetzt sind, strafen die Behauptung der beiden Drucker Michael Wenssler und Friedrich Biel etwas Lügen, denn sowohl der Satz wie der Druck sind reichlich mangelhaft.

Hier nun tauchen die Namen der frühsten Basler Drucker auf. Die Forschung kennt deren viele. Es ist die Zeit der sogenannten Inkunabeln, also der Wiegendrucke, unter welchem Namen man die Drucke von vor versteht. Der schon genannte Michael Wenssler war Strassburger, an der Universität Basel immatrikuliert, begann wohl um mit seinem Gesellschafter Friedrich von? Sein Kollege Berthold Ruppel fing möglicherweise früher an, , er war einer der ursprünglichen Gesellen Gutenbergs, also wiederum ein Zuwanderer.

Johann von Besicken, ein kleinerer Drucker seit , stammte aus Besigheim bei Bottwar in Württemberg. Peter Kölliker, von dem ein Druck aus dem Jahr bekannt ist, kam aus Olten. Ludwig Hohenwang, ein Geselle Wensslers, stammte aus Augsburg. Johannes Schilling kam aus Winternheim, hatte das Druckhandwerk in Köln gelernt. Dann folgen die Namen, die der Basler Buchdruckgeschichte zum Ruhmesblatt geworden sind: Und kein Basler in der ganzen Gesellschaft?

Doch, bekannt ist Martin Flach, Mitglied des Rates, der aber als Drucker wenig Erfolg hatte und zuletzt sein Brot als Gremper, das heisst Kleinkaufmann, verdienen musste. Geschichte, so ist gelegentlich zu hören, sollte nicht nur den grossen Ereignissen und den blendenden Namen nacheilen, sondern sich auch die Mühe nehmen, in die alltäglichen gewerblichen und sozialen Verhältnisse zu blicken.

Das Aufkommen des Buchdrucks in Basel mit seinen Zuzügern und Bastlern, seinen handwerklichen Tricks und den persönlichen Beziehungen zwischen den Druckergesellen, seinen zunehmenden Vermögen und schlimmen Pleiten ist genau ein solches Thema.

Da gibt es eine junge und ehrgeizige Universität, die sich um die Drucker eigentlich nicht kümmert; da gibt es einen stolzen, durch die Burgunderkriege selbstbewusst gewordenen Rat, der nebenbei den ersten Druckerstreik zu verhindert versuchen muss. Das offizielle Basel befindet sich auf dem Weg der Annäherung an die wilden Eidgenossen, nimmt wenig Notiz von den Freaks in seinen Kellern und von der quicklebendigen Szene, die das Ende der von Hand geschriebenen Bücher feiert. Und dennoch sind sie es, die nach das Ansehen der Stadt in der ganzen gelehrten Welt begründet haben.

Eine zusammenfassende Geschichte, wie der Buchdruck nach Basel gekommen ist, fehlte bis ins Erst im Jahr erschien von Pierre L. Nun können wir nachlesen, wie ökonomische, sozio-politische und informationssystematische Standortfaktoren und Rahmenbedingungen aus Basel eine Weltstadt des Buchdrucks machten.

Jahrhundert ist eine Aufzählung der Bistümer am Rhein bekannt. Sie geht über Konstanz, Basel und Strassburg weiter rheinabwärts. Und Basel gilt da — aus heutiger Sicht überraschend — als das lustigste Bistum. Also nicht das geizigste, nicht das frömmste, nicht das konservativste. Enea Slivio Piccolomini, der Konzilsschreiber aus der Zeit um , sagt sogar, die Basler seien dem Bacchus und der Venus zugetan gewesen, also tüchtige Trinker und fröhliche Liebhaber.

Ein wichtiger Einschnitt im Basler Selbstverständnis ist der Beitritt zum Bund der Eidgenossen, , wie wir das gelernt haben und von Zeit zu Zeit feiern müssen. Für uns ist ein nicht-eidgenössisches Basel, zum Beispiel ein baden-württembergisches oder französisches Basel, schlechterdings nicht vorstellbar — um Himmelswillen, wo kämen wir da hin, oder wo wären wir da hingekommen. Nur ist das unsere heutige Sicht.

Vor bald Jahren sah die Sache anders aus. Mit war die burgundische Bedrohung des Sundgaus und Elsasses vorbei, die Eidgenossen hatten Karl den Kühnen geschlagen und erschlagen.

Die Eidgenossenschaft bekam politisches Gewicht, auch in ihrem Verhältnis zum deutschen Kaiserreich — hintenherum vom französischen König sorgfältig gehätschelt. Basel steckte in einer Zwickmühle.

Es war ja Reichsstadt, so wie Colmar oder Schlettstadt, aber das Haus Habsburg, jetzt eben das kaiserliche Haus, das unter Kaiser Maximilian die Eidgenossenschaft als Teil des Reiches noch lange nicht abgeschrieben hatte, war Basels unmittelbarer Nachbar. Basel hatte in diesem Gebiet, sei es der Bischof, sei es die Stadt, zahlreiche Besitztümer, bezog reichlich Zinsen und Abgaben. Militärisch hatten die Basler erlebt, welch soliden Rückhalt die Eidgenossen bieten konnten; wirtschaftlich und diplomatisch musste Basel darauf bedacht sein, mit der habsburgischen Herrschaft und somit dem kaiserlichen Haus in einem vernünftigen Frieden zu leben.

Im Gegenteil, der sogenannte Schwabenkrieg brach aus, besiegelt mit der entscheidenden Schlacht in der Nähe von Dornach. Die Eidgenossen begannen sich von Habsburg und somit aus dem Reichsverband zu lösen. Für Basel war die Kernfrage gestellt: Reichsstadt oder eidgenössische Stadt?

Wo den Basler Schulkindern noch lokale Geschichte gelehrt wird, erzählt man ihnen vom Jubel , der in Basel herrschte: Aber man erzählt nichts davon, dass damit die alten Verbindungen zu den elsässischen und breisgauischen Städten, zu den Rheinladen überhaupt, plötzlich sehr dünn wurden. Dass Basels Bedeutung als Reichsstadt drastisch sank, dass viele Leute in der tonangebenden Schicht, die in grösseren Verhältnissen dachten, entsetzt waren.

Da gab es einen Professor für römisches und kanonisches Recht an der Universität, verheiratet mit der Tochter eines Basler Zunftmeisters und Messerschmieds. Er war Sohn eines Strassburger Ratsherren und Gastwirts, geboren , seit seinem Lebensjahr in Basel ansässig.

Dozent an der Universität wurde er , hielt neben seinen juristischen Lektionen auch Vorlesungen über Poetik. Im gefiel ein eidgenössisches Basel überhaupt nicht. Er sah Basel den rheinischen Städten zugeordnet — es führten ja auch die Basler Handelswege rheinabwärts. Das eidgenössische Wesen schien ihm zu derb, zu hemdsärmlig; er wusste als diplomatisch erfahrener Mann, dass die Abgrenzung der Eidgenossen zum Kaiserreich auch etwas mit den französischen Soldgeldern zu tun hatte.

Der französische König wollte für seine oberitalienischen Kriegszüge schlicht die Söhne der Sieger von Grandson und Murten einkaufen. Als er somit feststellen musste, dass kein Kraut gegen die eidgenössische Begeisterung in Basel mehr gewachsen war, packte dieser Mann im Alter von 43 Jahren seine Siebensachen und zog im Herbst zurück in die Vaterstadt Strassburg. Wie gesagt, dichtete er auch.

Lateinisch in der Regel, gelegentlich auch deutsch. Er schrieb sogar einen Bestseller seiner Zeit: Es war in Versen geschrieben. Verse schrieb er, zurückgekehrt nach Strassburg, weiterhin. Das schrieb Sebastian Brant Der Herr Professor schrieb da, in knarrigem Deutsch, ein wahrhaftes Volksbuch. Sebastian Brant war, soviel wir wissen, von seinem Wesen her ein konservativer Mensch. Aber zugleich war er ein lustvoll auf neue Möglichkeiten bedachter Geist. Der Basler Thomas Wilhelmi nimmt sich mit der nötigen philologischen und historischen Gewissenhaftigkeit der Herausgabe von Brants gelehrtem und literarischem Werk an.

Brant steht hier als eine Gelehrten- und Dichterpersönlichkeit, die an einem eidgenössischen Basel Anstoss nahm und es lieber gesehen hätte, wenn die Stadt im alten Verbund der elsässischen und süddeutschen Reichsstädte verblieben und dem Kaiser möglichst viel erfahrene Hofräte und Richter gestellt hätte.

Dass die Basler dem Stier an den Schwanz gebunden einen Bauerntanz aufführen mussten, hat er Zeit seines Lebens nicht verwunden. Kommt ein Gefährt in eine Kurve, ist die Beschleunigung am äussern Rand der Krümmung immer die grösste.

Man muss nur zuschauen, wie Rennautos eine Kurve angehen. Dasselbe gilt für Flüsse: Am deutlichsten erlebt man das, wenn man in der Mitte einer Krümmung am Rand steht, und noch besser kann man das verfolgen, wenn der Standort zugleich eine gewisse Höhe über dem bewegten Fluss einnimmt. Wo ist in Basel diese Stelle?

Sicher im Grossbasel, in der Mitte der Flussbiegung und dort, wo die Häuser möglichst hoch über dem Wasser und möglichst nah an ihm stehen, so dass man Kirschensteine aus dem Fenster in die Wellen spucken könnte. Beste Adresse dafür ist wohl die Augustinergasse 1. Nun stellen Sie sich bitte vor, dass es vor rund Jahren natürlich noch keine gemauerten Ufer, keinen Rheinkanal und keine Kraftwerke oder Schleusen gab, sondern dass der Rhein sich unterhalb von Basel in verschiedene Arme teilte, sogar Inseln bildete.

Hoch- und Niederwasser waren extrem ausgeprägt, bei Hochwasser kam nicht nur ein wenig Schwemmholz wie heute mit, sondern es tanzten ganze Bäume in den Wellen, vermutlich auch die Kadaver ertrunkener Tiere. Der Rhein war ungewöhnlich fischreich, also fuhren Fischerboote auf ihm herum; der Rhein war ein zuverlässiger und billiger Transportweg, aus dem Schwarzwald langten somit zu Flössen zusammengebundene Baumstämme an. Reisende aus dem vorderösterreichischen Rheinfelden und gelegentlich sogar aus Zürich oder Luzern langten per Schiff bei der Schifflände an, von dort fuhren ganze Warenladungen und Passagiere im Boot rheinabwärts weiter.

Vom Anfang der Augustinergasse hatte man überdies den denkbar besten Ausblick auf die damals einzige Stadtbrücke mit dem Käppelijoch, sah hinüber in die Sägereien auf der Kleinbasler Seite, wo geflösste Hölzer verarbeitet wurden und die Fischer ihre Netze auswarfen.

Es war allerhand los auf dem Rhein, dessen Tempo im Vergleich zu heute viel stärker variierte. Für den Beobachter an der besagten Adresse musste das Treiben gelegentlich einen närrischen Eindruck gemacht haben.

Dass er die ganze Menschheit in einzelnen Gruppen auf Schiffen verfrachtet begreifen wollte, hat vermutlich verschieden Wurzeln. Die Menschen hatten sich schon früher die alte Kirche Sant Peters schyfflin als ein Schiff auf dem Meer der Welt vorgestellt, aber auch der Antichrist fuhr auf einem, diesmal grossen Schiff durch die Fluten. Da ist eine alte Vorstellungs- und Bilderwelt am Werk, die aber — nicht zuletzt dank Brants Schöpfung — gerade jetzt von einer neuen Sicht abgelöst wird.

Man hat es auch schon so verstanden: Übrigens machte Erasmus bei Brant in Strassburg eine Höflichkeitsvisite. Wer ist denn ein Narr? Wer vom alten Weg des rechten Lebens, des von den Kirchenvätern vorgeschriebenen, letzten Endes asketischen Lebens, abweicht, wer über irdischen Gütern und Vergnügungen oder aus persönlichen Leidenschaften Solidarität, Nächstenliebe, Verantwortungsbewusstsein und Erbarmen vergisst und den eigenen Tod verdrängt.

Damit, so Brant, sind wir letztlich alles Narren. Sich selber hat er an mehr als einer Stelle ihnen zugezählt, auf jeden Fall als Büchernarr. Die Beziehung von Narrheit und Wasser geht noch weiter. Wahnsinn und Wasser haben miteinander zu tun; entfesselte Fluten begleiten symbolisch oder rufen real Geistesverwirrtheit hervor.

Die Epilepsie wird im Mittelalter als ein inneres Kochen der Säfte des Menschen begriffen, nicht zufällig äussert sie sich durch Schaum auf den Lippen. Da die Wasser der Erde sich unter der Schwerkraft des Mondes bewegen, heisst die Epilepsie als ein Zustand der Verrücktheit auch die lunatische Krankheit. Wasser aus Quellen und Brunnen können nicht nur das Alter oder das Geschlecht verändern, nicht nur heilen oder vergiften, sie können auch Leute zur Vernunft zurückführen oder in die Verrücktheit entlassen.

Jesus schreitet über die Wasser, ein Sturm wird plötzlich befriedigt, der wundersame Fischzug findet im Wasser statt.

Das erfundene Land Narragonien, nach dem Brants Narrenschiff strebt, ist eine symbolisch äussert komplexe Destination, etwas zwischen Schlaraffenland und einem Ort der Verderbnis, auf jeden Fall kein seeliges Land. Das Buch war zu seiner Zeit ein Riesenerfolg. Neuauflagen, Nachrucke, Raubdrucke, Übersetzungen lateinisch, französisch, niederländisch, englisch folgten einander.

Brant freute und ärgerte sich darüber, wurde zu einem berühmten Autor. Kehren wir zurück zum Ausblick aus einem Fenster der Augustinergasse 1 in Basel. Sicher ist es so, dass das Schiff, das die Narren trägt, viel weniger mit gesetzten Segeln und zielbewusst einem Kontinent, wie etwa dem soeben entdeckten Amerika, entgegen strebt; vielmehr treiben es und seine Passagiere mit dem Wasser weiter an einen unbekannten Bestimmungsort.

Wo wir auf den Bildern Ruder sehen, sind es keine solchen, die für einen grösseren See oder gar fürs Meer tauglich gewesen wären, es sind nur einfache Steuerruder, wie man sie heute noch einseitig auf Weidlingen braucht.

Der Rhein als der heimliche Vater eines Bestsellers um das Jahr Stefan Zweig lebte von bis Unsere Grosseltern haben ihn gelegentlich mit glühenden Augen gelesen. Er war ein Bestseller-Autor, aber von der intelligenten Sorge. Geschichte interessierte ihn; man kann sogar sagen, dass im deutschsprachigen Raum Stefan Zweig Erhebliches für das historische Bewusstsein zwischen den beiden Weltkriegen geleistet hat.

Nach seinem Freitod erschien postum eine kleine Studie über das Vespucci-Problem, wie Zweig das selber nannte. Die Fischer-Taschenbücher haben diesen Titel in ihr Sortiment übernommen.

Und was witzig ist: Wir wissen unterdessen ein paar Einzelheiten mehr, die Zweig noch nicht bekannt waren. Man muss sich dafür allerdings in den dicken, durch Frank Hieronymus von der Universitätsbibliothek Basel ausgearbeiteten Katalog der Basler Buchillustrationen von bis eingraben.

Um was geht es? Ganz einfach darum, warum Amerika Amerika heisst. Die Geschichte dieser Entdeckung der Neuen Welt soll uns hier nicht weiter beschäftigen, aber wohl, wie sie rezipiert wurde. Da gab es in Strassburg einen geborenen Philologen und Schullehrer, der sich wie die meisten jungen Intellektuellen seiner Zeit lebhaft für die kursierenden Berichte über die Entdeckung der neuen Welt interessierte.

Geografische Bücher hatten Hochkonjunktur, waren ein gutes Geschäft. Freilich war es den Gebildeten der Zeit klar geworden, dass das alte ptolemänische Weltbild durch diese Neuentdeckungen in eine schiefe Lage geraten war.

Vieles wollte nicht mehr stimmen, neben Europa und Afrika und Asien musste man einen vierten Weltteil zur Kenntnis nehmen. Im Kreis um Ludd befand sich auch Martin Waldseemüller, antikisiert Hylacomylus geheissen, der vermutlich von bis oder lebte.

Zusammen mit Ringmann beschäftigte er sich mit geografisch-kartografischen Studien. Die Neue Welt, der vierte Weltteil, war verbindlich getauft. Man darf sich anhand der Jahresdaten das Bild dieses Vorgangs ziemlich farbig ausmalen. Nach der Rückkehr des Columbus begannen die Berichte über das unbekannte Land im Westen zu zirkulieren.

Vor allem in den grossen Handelshäusern, die auf die Schifffahrt angewiesen waren, herrschte Aufregung. Plötzlich wollte jedermann diese Länder selber gesehen haben. So reiste auch Amerigo Vespucci westwärts. Eigentliche Zeitungen gab es nicht, aber — wie Stefan Zweig anschaulich schilderte — es begannen in den verschiedenen Sprachen Flugblätter zu erscheinen. Über die Handelshäuser fanden sie Aufnahme in ganz Europa. Wir haben es also mit einem sehr jungen und einem noch jungen Mann zu tun, die, assoziiert mit einem Drucker in den Vogesen, das blühende Geschäft der Strassburger und Basler Drucker mit geografischen Büchern und Karten neidvoll verfolgen.

So etwas sollten wir auch machen, sagen sie. Jetzt fällt ihnen der Text von Amerigo Vespucci in die Hände. Aus ihm lernen sie, dass Columbus weder Japan noch China noch Indien entdeckt hat, sondern die noch namenlosen Kuba, Jamaica und Hispaniola.

Vespucci selber ist über die Karibik hinaus bis an die mittelamerikanische Küste gefahren. Wenn das aber eine neue Welt ist, muss sie auch einen neuen Namen haben. Ringmann und Waldseemüller haben das Problem erkannt. Aus Amerigo Vespucci wird bei Ringmann zuerst Albericus Vesputius, aber dann, zwei Jahre später, wird aus dem italienischen Amerigo ein lateinischer Americus und somit wird der neue Kontinent eben Amerika getauft.

In seinen eigentlichen Umrissen bis hinauf ins heute kanadische Gebiet ist er noch unbekannt, ganz zu schweigen von seiner pazifischen Küste auf der anderen Seite.

Die Frage, wo die der Publikation beigegebenen Karten letztlich gedruckt wurden, ist mit Sicherheit nicht zu beantworten. Die Frage bleibt offen, nicht weniger als die andere: Denn die Art und Weise, wie auf ihr Ptolemäus als Vertreter der alten Kosmographie und Amerigo Vespucci als Vertreter der neuen Kosmographie dargestellt sind, deutet auf einen bedeutenden Meister des Holzschnittes.

Frank Hieronymus erwägt zwei mögliche Künstler: Nach den biografischen Daten könnten beide in Frage kommen; aus formalen Erwägungen rückt Urs Graf in den Vordergrund. Gesichert aber auf jeden Fall ist: Knapp 15 Jahre waren verflossen, seit Columbus erstmals in der Karibik gelandet war. Der entscheidende Satz, der schon Stefan Zweig elektrisierte, lautet übersetzt: Auf dem Bild von Holbein tritt Bonifacius Amerbach mit der Strahlungskraft des erfolgreichen, anerkannten, seiner Sache sicheren Mannes im besten Alter auf: Der Glanz, der auf ihm liegt, ist nicht zu übersehen; Holbein hat ihn gespürt und gemalt.

Aber welche Kräfte haben diesen prächtigen Mann geformt? Sicher das Vorbild seines erfolgreichen und zugleich so tüchtigen wie gebildeten Vaters, der auch ein strenger Erzieher war. Der Amerbachsche Haushalt im Kleinbasel darf geradezu als das Muster einer durch und durch humanistischen Familie gelten, wo Bildung und Erziehung, tägliches Verhalten und geistige Disziplin, städtisches Wirken und internationale Kontakte im schönsten Einvernehmen standen.

Aber nun darf man näher zuschauen und entdeckt, dass an der Ausbildung des Bonifacius Amerbach noch ganz andere Leute beteiligt waren. Neben dem auf ihm ruhenden Glanz blieben sie meistens im Schatten der Erinnerung. Einer von diesen Lehrern, der erste und vielleicht auch wichtigste, ist Conrad Leontorius.

Wer ist dieser Mann? Geboren wurde er wohl um in Leonberg zwischen Pforzheim und Stuttgart. Möglicherweise war sein Familienname Töritz oder Toritz, er brauchte ihn später nicht mehr, da er sich von seinem Geburtsort Leonberg latinisiert Leontorius nannte. Um muss er in Basel gewesen sein, lernte dort Johannes Amerbach, den Vater des Bonifacius, kennen. Man darf annehmen, dass er Griechisch konnte, in Basel bei Johannes Reuchlin auch Hebräisch studierte, obwohl die Universitätsmatrikel seinen Namen nicht kennt.

Nach groben Abschnitten lässt sich sein Lebensweg weiterverfolgen. Freundschaftliche Beziehungen zu Jakob Wimpfeling und anderen humanistischen Gelehrten des oberrheinischen Kreises sind nachweisbar. Da sind wir also mitten in der wesentlich von der Lateinschule Schlettstadt getragenen vorreformatorischen Humanistengesellschaft, die alles andere als griesgrämig war.

Man feierte, dichtete, musizierte, trank Wein bis tief in die Nacht hinein. Von diesem Nonnenkloster ist nichts übrig geblieben, es wurde im Bauernkrieg geplündert, nach der Reformation aufgehoben. Die Gebäude und die kleine Kirche wurden an Bauern verkauft, die die Gebäude später abrissen.

Allzuviel wissen wir von der Person und dem Charakter des Leontorius nicht. Er war ein für seine Zeit hochgebildeter Mann, gab eine Bibel heraus und edierte antike Texte. Von sich selber sagte er, dass seine Veranlagung eher aufs Loben und Lieben, nicht aufs Tadeln und Neiden aus sei. Er dichtete gern bei einem Glas Wein, er schrieb vorzügliche Briefe.

Vor allem war er ein grossartiger Erzieher. Offenbar war es eine ganze Gruppe von Knaben, die man da aus Basel ins Internat über die Birs schickte.

Ein Brief von Leontorius an den Vater ist erhalten geblieben. Doch auf einmal kann man einen Menschen nicht dahinbringen, wohin man möchte — das muss eben Schritt für Schritt und mit Liebe geschehen. Deshalb lasse ich dich wissen, dass dein Bonifacius auf freundliche Weise geleitet sein will und nicht durch knechtische Furcht, und das gefällt mir an einem Knaben von guter Art viel besser, als wenn man ihn, wie es deutsche Sitte ist, auf barbarische Weise mit der Rute anspornt.

Wenn du also seine Handschrift nicht sofort verändert findest, so wundere dich nicht, mein lieber Amerbach; denn nur im Verlauf der Zeit erschliessen sich die Geister und gehen der Reife entgegen und — so lautet mein Wahlspruch — jeder Tag ist der Lehrer des andern.

An Johannes Amerbach sind insgesamt 35 Briefe des Leontorius erhalten geblieben. Sie gelten auch der engen Zusammenarbeit dieser beiden Männer als Drucker und Herausgeber für theologische Texte und Quellen. Ebenfalls besitzen wir zahlreiche lateinische Gedichte aus der Feder des Leontorius. Einmal mehr wird deutlich, was für ein intensives persönliches und pädagogisches Beziehungsnetz zur Zeit des Eintrittes von Basel in den Bund der Eidgenossen die oberrheinische Tiefebene nach allen Seiten verknüpfte.

Die Figur des Leontorius macht deutlich, dass die Sorge um die Bildung junger Menschen ältere Wurzeln hat und dass man sich vor allem im Dreieck Schlettstadt-Freiburg-Basel mit einer neuen Pädagogik befasste. Leontorius als einer ihrer Träger hätte es verdient, von der historischen Forschung genauer ins Auge gefasst zu werden; viele seiner Gedichte und Texte schlummern noch ungelesen in den Archiven. Thomas Wilhelmi hat mich zu einem Griff ins Gesangbuch der evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz veranlasst.

Gemeint ist der Tag der Himmelfahrt Christi. Aber für einmal singen wir es nicht, sondern schauen nach dem Namen des Verfassers. Johannes Zwick heisst er. Wer war Johannes Zwick? Ungefähr um soll er in Konstanz geboren sein, er starb als evangelischer Pfarrer im ostschweizerischen Bischofszell. Viel weitere Nachrichten haben wir nicht von ihm, wir wissen nur, dass er in Basel und Freiburg die Rechte studierte, in Italien zum Doktor jur.

Das Gesangbuch führt insgesamt sieben Lieder aus seiner Feder an; die Allgemeine Deutsche Biographie ist nicht so sicher, ob sie wirklich alle von ihm stammen. Als Verfasser erscheint Johannes Kolros. Der wurde um in Kirchhofen bei Staufen geboren, immatrikulierte sich an der Unversität Freiburg.

Er verfasste Theaterstücke, an Totentanzszenen anknüpfende Spiele, die das Jedermann-Thema auf die Bühne brachten und bis nach Augsburg zu zahlreichen Nachbearbeitungen führten.

Auch dichtete er an Texten von Martin Luther weiter. Gestorben ist er in Basel, vermutlich zwischen und Hier war er durch seine Heirat Besitzer eines eigenen Hauses am Petersberg, genannt zur Meerkatze, geworden. Auch die sprachen und schrieben damals noch deutsch.

Er ist im elsässischen Gemar geboren, in Zürich gestorben. An der Universität Basel lernt er Huldrych Zwingli kennen, mit dem er sich befreundet. Nach Erwerbung des Magistergrades wird er zuerst Pfarrer in St.

Hippolyte, Zwinglis Nachfolger in Einsiedeln. Nach Zwinglis Tod arbeitet er eng mit dessen Nachfolger Bullinger zusammen, beteiligt sich an der neuen Bibelübersetzung, die als die sogenannte Zürcher Bibel in die Geschichte eingegangen ist. Jud ist nicht der einzige dichtende Elsässer, wir können auch Lied Nr. Geschrieben hat es Wolfgang Fabricius Koepfel, lateinisch Capito. Er war der dritte Gatte der schon zu ihrer Zeit bekannten Wibrandis Rosenblatt.

Capito besuchte nach der Grundschule in Pforzheim die Universitäten Ingolstadt und Freiburg, wo er als theologischer Lizentiat abschloss. Von bis finden wir ihn als Münsterprediger und Theologieprofessor in Basel, wo Erasmus Capitos Hebräischkenntnisse überaus schätzte. Vor seinem Umzug nach Mainz infolge einer Berufung zu einer Domprädikatur erwarb er in Basel noch schnell den Doktorgrad für kanonisches Recht, in Mainz holte er sich dann den theologischen Doktorhut.

Man war den kirchlichen Würdenträgern gram, dass sie diesen Mann ziehen liessen, der so grundgelehrt und in seinem Wandel untadelig war. Seine reformatorischen Ideen waren im erasmischen Geist gemässigt, aber er liess sich gern die Pfründen der reichen Strassburger Propstei von St. Thomas verleihen und trat trotzdem plötzlich als entschiedener Prediger der neuen Lehre in Strassburg auf.

Ihm schwebte eine neue Art von Landeskirche vor, eine eigentliche Staatskirche, die in einem Landesherren zugleich die höchste geistliche und weltliche Gewalt an ihrer Spitze vereinigen würde. Vermutlich war er depressiv veranlagt, schon lange vor seinem Tod sehnte er sein Ende herbei, weil er die Hoffnung auf eine Besserung des kirchlichen Zerwürfnisses aufgegeben hatte.

Capito geboren, Jud geboren, Kolros geboren und Zwick geboren entstammten alle vier fast derselben Generation. Sind sie sich begegnet? Wir wissen es nicht, möglich wäre es schon gewesen. Für alle vier war das bestimmende geistige und sehr bald auch politische Ereignis die Reformation im oberrheinischen und schweizerischen Gebiet um Alle vier hatten eine akademische Ausbildung genossen, alle vier übten ein Predigeramt aus.

Strassburg, Freiburg, Basel und Zürich stecken den Raum ab, in dem sie sich bewegten. Alle vier publizierten und verfassten Kirchenlieder. Und alle vier bedienten sich dafür ganz direkt der deutschen Sprache, die sie mit Meisterschaft handhabten. In der für geplanten Neuauflage des Kirchengesangbuches wird man das nachlesen können — samt einer bisher unterschlagenen Strophe. Gewiss ist Martin Luther der grosse Erwecker der deutschen Sprache mit seiner Übersetzung der Bibel, seinen Streitschriften und seinen Liedern, die sich häufig an Psalmen anlehnen.

Aber seine Grösse verdunkelt gelegentlich Zeitgenossen, die ohne ihn vielleicht so nicht zur Feder gegriffen hätten, die aber, wenn sie schon schrieben, auf eine durchaus eigenständige Tradition des deutschen Ausdrucks zurückgreifen konnten. Diese war schon lebendig, bevor Luther seine Thesen anschlug und die Bibel übersetzte. Das Dreiland am Oberrhein ist in diesem Sinn auch eine Wiege deutscher Dichtkunst, zu der das Holz noch von den Bäumen der Mystiker und Minnesänger genommen werden konnte.

Der gewaltige Umbruch, den die Reformation darstellte, hat hier eine so reiche Ernte an Liedern gebracht, dass man beinahe von einem Gesangverein sprechen darf.

Also wird hier nichts Neues berichtet, sondern es werden seit langem bekannte Texte einfach wieder einmal aus der Schublade gezogen. Johannes Oporin lebte von bis , wurde also rund 61 Jahre alt. Die Buchdruckkunst war damals bereits gegen Jahre alt, hatte also ihre technischen und organisatorischen Kinderkrankheiten hinter sich. Setzer und Drucker, Redaktoren und Korrektoren kannten schon ihr Anforderungsprofil.

Die ersten Basler Drucker waren zwischen und aufgetaucht. Die grosse Zeit des Basler Buchdrucks begann nach , die klassische Zeit folgte im Jahrhundert bis zur Reformation Die Drucktätigkeit Oporins fällt also in die vierte Druckergeneration, wo sich die Branche schon weitgehend strukturiert hatte, das Zusammenspiel von Buchdruckern, Buchbindern und Buchhändlern funktionierte und eben auch der Markt mit seinen Preisen und Margen diktierte, mit dem Zwang zur Neuheit und — modern gesagt — segmentierten Zielgruppen wie den Gelehrten, Schulen, reformierten und altgläubigen Lesern.

Es gab das internationale Geschäft, es gab Konkurrenz und nach der Reformation eben auch obrigkeitliche Zensur. Die von Martin Steinmann ausgewählten Oporin-Briefe sind im wesentlichen Geschäftsbriefe, sagen wenig über das grosse und kleine Weltgeschehen oder über Oporins familiären Verhältnisse aus. Aber sie erlauben gerade deshalb einen Blick über die Schulter eines Verlags- und Druckherren dieser Zeit. Sie zeigen den Unternehmer. Sie definieren damit so etwas wie den nachbarschaftlichen Raum, in dem ein Basler Drucker dieser Zeit wirkte.

Spannend wird diese Geschäftskorrespondenz, wenn man sich vergegenwärtigt, dass der Buchdruck seinem Wesen nach nicht nur ein noch immer modernes, sondern eben auch — etwa im Vergleich zur Textilwirtschaft oder zum Weinhandel — ein sehr andersartiges Geschäft war. Er kannte aufeinander folgende Verarbeitungsstufen, brauchte Zwischenlager, Transporte und ein Verteilsystem. Und er musste finanziert werden, wobei man daran denken darf, dass es noch keine normalen Kredite bei Geschäftsbanken gab, so dass Oporin mehr als einmal seine privaten Silberbecher zu verpfänden hatte.

Da gab es zum Beispiel das Problem des Endverkaufspreises. Wenn der Verleger und Drucker das gedruckte Buch an einen Leser zum gleichen Preis wie an einen Buchhändler verkaufte — wovon hätte dann ein Buchhändler leben sollen? Was aber konnte der Drucker-Verleger einem Direktkunden sagen, wenn dieser das Buch zurückbrachte, nachdem er gemerkt hatte, dass Oporin es ihm teurer als dem Buchhändler verkaufen wollte?

Ein Ausweg bestand darin, dass man als Verleger eben selber eine Buchhandlung führte und also Direktkäufer nur über die Buchhandlung bediente. Das tat auch Oporin. Sorgen machten die Arbeitskräfte. Oporin spricht da von der familia typographica, die er von der häuslichen Familie familia domestica unterscheidet.

Lehrlinge musste er, wie das bei anderen Handwerkern der Brauch war, in die Hausgemeinschaft aufnehmen. Wer setzen lernen wollte, musste sich zuerst als Korrektor bewähren. Aber er seufzt über flüchtige Arbeit, dass oft der beste Satz beim Ausdrucken von den Druckern durcheinandergebracht werde.

Er könne doch nicht ständig neben der Presse stehen. Ende der 40er Jahre aber ist er selber stolzer Besitzer einer eigenen Druckerei mit nicht weniger als sechs Pressen. Das damalige bogenweise Drucken stellt man sich gern als einen handwerklich gemütlichen Prozess vor. Aber Oporins Briefe belehren uns eines besseren. Er weiss sich von Konkurrenten umstellt, andere lauern und wollen nicht dulden, dass ihnen jemand zuvorkommt.

Ein Korrespondent schreibt Oporin Anfang Mai, dass schon im Sommer ein bestimmtes Werk vorliegen sollte, also bleiben dem Drucker für ein ganzes Buch nur wenige Wochen. Aus ihm lässt sich ablesen, aus welchen Teilen ein damaliges Druck- und Verlagsgeschäft bestand. Dazu kamen die Illustrationen, in Holz oder Kupfer geschnitten. Im Vertrag eingeschlossen waren auch die Verbindungen zu Autoren und Händlern; Oporin verpflichtete sich, zukünftige Kontakte an seinen Vertragspartner weiterzugeben.

Nur zwei Bücher wollte er von diesem Vertrag ausnehmen: Ein die ganze Briefauswahl durchdringendes Thema sind die Schulden Oporins. Heute würden wir sagen, dass das die notwendigen Fremdkredite waren.





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